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"Schwarzbuch Wald" – Offener Brief an BUND |
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Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Weiger,
den Finger in Wunden zu legen und Missstände aufzuzeigen, gehört zu den ureigensten Aufgaben von Umweltgruppen, wie dem BUND. PEFC Deutschland e.V. begrüßt solch ein Engagement zur Verbesserung einer ökologisch nachhaltigen Forstwirtschaft ausdrücklich. In vielen vom BUND aufgezeigten Fällen wurden „Defizite“ in PEFC-zertifizierten Wäldern festgestellt, bei denen es sich offensichtlich auch um Verstöße gegen die Standards von PEFC Deutschland handelt. Wie Sie im Schwarzbuch beschreiben, wurden einige Verstöße bereits von unseren Zertifizierern hart sanktioniert. Um ähnlichen Verstößen gegen die PEFC-Standards in Zukunft noch schneller und konsequenter begegnen zu können, würden wir uns wünschen, wenn Sie diese nicht nur für ein weiteres „Schwarzbuch“ sammeln, sondern die PEFC Geschäftsstelle bzw. die regionalen PEFC-Arbeitsgruppen zeitnah darüber informieren. So kann auf Verstöße durch außerplanmäßige Kontrollen, nach entsprechender Vorprüfung durch die regionale PEFC-Arbeitsgruppe, schnell reagiert werden. Dem Wald wäre dadurch sicherlich mehr geholfen, als durch eine medienwirksame Veröffentlichung, die zu einer Pauschalverurteilung der deutschen Forstwirtschaft führt.
Der Bund Naturschutz in Bayern hat sich bereits davon überzeugen können, dass PEFC Hinweise auf etwaige Verstöße ernst nimmt und diesen auch nachgeht. Der Vorwurf damals: In einem großen PEFC-zertifizierten Privatwald sollten Kahlschläge durchgeführt worden sein. Bedauerlicherweise hatte der BUND damals auch zunächst die Presse mobilisiert, bevor Kontakt zum Waldeigentümer und PEFC aufgenommen wurde. In unserem Auftrag hatte der zuständige PEFC-Zertifizierer daraufhin die fraglichen Flächen in Augenschein genommen und festgestellt, dass es sich nicht um „Riesenkahlschläge“ sondern um Sturmwurfflächen handelte. Dieses Beispiel zeigt, dass so mancher Waldfrevel bei genauerem Hinsehen nichts mit schlechter Waldwirtschaft zu tun hat und dass sich durch einen direkten fachlichen Austausch Probleme schnell und unkompliziert lösen lassen.
Am Ende Ihres Schwarzbuches fordern Sie unter anderem, dass die öffentlichen und kommunalen Waldbesitzer aus der PEFC-Zertifizierung aussteigen und zu FSC wechseln sollten. Diese Forderung können wir gerade in Anbetracht der aufgeführten Fallstudien des Schwarzbuches nicht nachvollziehen. Zum einen beweisen die aufgelisteten Fälle, die auch nach Ihrer Einschätzung gegen die PEFC-Standards verstoßen, dass unsere Standards keinesfalls „weich“ sondern durchaus anspruchsvoll sind; zum anderen ist das Schwert der Sanktionen bei PEFC genauso scharf wie bei FSC. Wie bei PEFC im Spreewald so war FSC auf Rügen auch nicht in der Lage, bestimmte Fehlentwicklungen von vorne herein auszuschließen. Aber in beiden Fällen wurden die erforderlichen Konsequenzen, nämlich der Entzug des Zertifikates, gezogen.
Dass sich der BUND in Deutschland noch für den FSC einsetzt, während Friends of the Earth vor dem Hintergrund der Plantagenzertifizierung aus FSC International ausgetreten sind, ist aller Ehren wert. Tatsache ist, dass das für die tropische Forstwirtschaft entwickelte System im Gegensatz zu PEFC nur eine marginale Rolle in der deutschen Waldwirtschaft spielt: Mehr als zwei Drittel des deutschen Waldes, darunter der gesamte Staatswald und über 2500 Kommunen, werden nach den PEFC-Standards bewirtschaftet. PEFC ist damit ein bedeutendes Instrument, das Nachhaltigkeitsniveau auch im ökologischen Bereich flächendeckend anzuheben. Es wäre daher sinnvoll, wenn sich der BUND, genau wie es andere Umweltgruppen bereits praktizieren, an der PEFC-Standardsetzung beteiligen würde. Dazu gibt es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, da PEFC Deutschland zum zweiten Mal die nationalen Standards überarbeitet. An dieser Revision kann sich jeder beteiligen, und auch der BUND wurde von uns schon mehrfach dazu eingeladen. Sie hätten ein gehöriges Wörtchen mitzureden, denn unsere Arbeitsgruppen arbeiten nach dem Konsensprinzip, was nicht weniger heißt, als dass alle Entscheidungen von allen Mitgliedern mitgetragen werden müssen.
Wir würden uns über einen intensiveren Dialog freuen. Mit freundlichen Grüßen
 Frank v. Römer Vorsitzender PEFC Deutschland e.V.
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